Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi)

Lebendige Gärten mit heimischen Stauden

Sie blühen am Wegesrand, in Wiesen und an Böschungen. Heimische Stauden verschönern nicht nur unsere Landschaft, viele Arten und deren Auslesen halten auch ganz zu Recht Einzug in unsere Gärten. „Mit ihnen lässt sich ein Stück Natur in den Garten holen“, weiß Uta Kietsch. Die Gartenbautechnikerin kennt und kultiviert viele Wildpflanzen.

Eine bunte Vielfalt an heimischen Pflanzen lässt sich auch im Garten ansiedeln. Der Boden sollte dazu nährstoffarm und eher durchlässig sein. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)
Eine bunte Vielfalt an heimischen Pflanzen lässt sich auch im Garten ansiedeln. Der Boden sollte dazu nährstoffarm und eher durchlässig sein. (Bildnachweis: GMH/Bettina Banse)

Neben schönen Blüten und Strukturen sind sie vor allem Nahrungsgrundlage für viele Tiere und sehr beliebt bei Bienen, Schmetterlingen, Käfern, Schwebfliegen und vielen weiteren Insekten. Diese Insekten sind oft auf heimische Pflanzen spezialisiert und finden dort Nektar und Pollen. So bietet sich im Garten ein prächtiges Naturerlebnis. „Ein weiterer Vorteil heimischer Pflanzen ist die Anpassung an unser Klima“, so Kietsch. Sie sind zumeist sehr pflegeleicht und oft besser im Garten zu integrieren, als Arten, deren Heimat in Asien oder anderen Kontinenten liegen.

Heimische Stauden – die Vielfalt nutzen

Wenn Uta Kietsch von heimischen Stauden erzählt ist sie ganz in ihrem Element. Sie betreibt einen Gartenbaubetrieb für Wildsamen in Temmen in der Uckermark und sagt: „Es gibt eine enorme Vielfalt an heimischen Pflanzen mit einem großen Spektrum an verschiedenen Standortansprüchen und an unterschiedlichen Blütezeiten und -farben“. Leider würden viele Pflanzen immer noch zu wenig verwendet. Im Handel setze eine gewisse Standardisierung ein, dem sie gerne entgegenwirkt, indem Sie die heimische Vielfalt propagiert. Doch was versteht man genau unter dem Begriff „heimische Stauden“? Im Bundesnaturschutzgesetz werden „heimische“ Arten wie folgt definiert: Arten, die im Gebiet entstanden oder ohne menschliche Hilfe eingewandert sind oder eingebürgerte Pflanzen, die sich in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen als Population erhalten. „Diese Pflanzen“, so Kietsch, „sind optimal an unsere klimatischen Verhältnisse angepasst“.

Heimische Stauden – am richtigen Standort langlebig und lange attraktiv

„Die Ansiedlung von heimischen Stauden im Garten ist einfach, wenn man die jeweiligen Ansprüche der Pflanzen berücksichtigt“, erklärt die Wildstaudenspezialistin. Der Naturstandort gibt dabei gute Auskünfte. Kommen die Pflanzen am Naturstandort eher im Schatten oder in der Sonne vor – wird ein trockener, frischer oder feuchter Boden bevorzugt? In Stauden-Fachbetrieben findet man viele heimische Arten und deren Züchtungen. Außerdem erhält man hier Auskünfte, damit die richtige Staude an den richtigen Ort im Garten kommt. „Achten Sie auch auf die Etiketten an den Pflanzen, die ebenfalls Hinweise für die beste Standortwahl geben“, empfiehlt Kietsch. Eine ihrer heimischen Lieblingsblumen für sonnige Standorte ist die Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) – „Ein echter Hingucker mit den kugeligen blauen Blüten, die sich außerdem noch sehr gut als Schnittblume verwenden lassen“, erklärt Kietsch. Ebenfalls gartenwürdig ist die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria). Sie fängt bereits im Juni an zu blühen und zeigt ihre blauen oder rosaroten Blüten bis zum Herbst. Besonders die Sorte `Pink Mist´ blüht bis zum ersten Frost, wenn alles Verblühte heraus geknipst wird. Sie besitzt außerdem ein schönes Laub und zieht Schmetterlinge magisch an.

Schön und Pflegeleicht – heimische Stauden

„Viele heimische Pflanzen sind sehr pflegeleicht und eignen sich für einen naturnahen, eher extensiven Garten“, erklärt die Gartenbautechnikerin. So zum Beispiel die Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum). Ihre kräftig pinkfarbenen Blüten erscheinen ab Mai über viele Wochen und ziehen zahlreiche Insekten an. Die Karthäusernelke versamt sich, ohne je lästig zu werden, und lässt sich daher hervorragend in Naturgärten zum verwildern oder auf Dachgärten verwenden. Auch für Balkonkästen ist diese Pflanze geeignet, erklärt Kietsch. Ein Rückschnitt nach der ersten Blüte verhelfe zu einem baldigen zweiten Blütenflor. Ebenso pflegeleicht wie attraktiv ist der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum). Mittlerweile gibt es viele Auslesen der Art, die alle sehr trockenheitstolerant sind, da sie ein tiefreichendes Wurzelwerk besitzen. Neben dem ansprechenden Laub, spricht die lange, weiß, rosa  oder rote Blüte von Juni bis August und die Pflegeleichtigkeit für diese Pflanze. Der Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) stellt eine schöne blaublühende Alternative für naturnahe Gärten und Blumenwiesen dar. Er eignet sich für vollsonnige, trockene Standorte. „Nach einem Rückschnitt nach dem ersten Blütenflor, zeigen sich im September noch einmal die blauen Blütenkerzen“, erklärt Kietsch. Die Berg-Aster (Aster amellus) ist mit ihren Sorten in den Farben Rosa und Violett ebenfalls eine heimische Staude, die sowohl in naturnahen Pflanzungen und  als Beetstaude Verwendung findet. Sie eignet sich auch sehr gut als Schnittblume. Generell gilt, so Kietsch, einfachblühende Pflanzen sind gefüllten Sorten vorzuziehen, da diese steril sind und somit keinen Nektar und Pollen für die Tierwelt zur Verfügung stellen.

Heimische Stauden für feuchte Standorte

In der Natur gibt es Standorte in Feuchtwiesen oder an Gewässern, die auch im Garten in ähnlicher Form vorkommen. „Die Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi) ist eine Pflanze, die sich in humosem, ausreichend frischem Boden wohl fühlt und in der Natur durch Trockenlegungen von Feuchtwiesen immer mehr zurück gedrängt wird“, erklärt Kietsch. Im Garten kann sie im Mai und Juni am Teichrand ihre anmutigen rosaroten Blüten zeigen. Die Blütezeit, die zusammen mit dem Kuckucksruf erfolgt, brachte ihr den deutschen Namen ein. Sie versamt sich reichlich. Möchte man das unterbinden, so Kietsch, sollte ein Rückschnitt gleich nach der Blüte erfolgen. Ein Hingucker im Vorfrühling für feuchte Standorte im Garten ist die heimische Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Sie zeigt ihre dottergelben Blüten im April und Mai und fühlt sich am Wasserrand in sonniger bis halbschattiger Lage wohl, lässt sich aber auch gut auf ausreichend feuchten Wiesen und feuchten Gehölzrändern ansiedeln.

Staudentipp – heimische Pflanzenkombinationen

Mit heimischen Stauden lassen sich sehr schöne, natürliche Pflanzenkombinationen kreieren. Die folgenden Empfehlungen für einen trockenen, sonnigen Standort gibt Kietsch gerne an die Leser weiter: Der Blütenreigen beginnt im zeitigen Frühjahr mit der gelbblühenden Schlüsselblume (Primula veris). Wiesensalbei (Salvia pratensis) löst die Schlüsselblume mit blauen Blütenkerzen ab, um danach Feld-Thymian (Thymus pulegioides) Platz zu machen. Dieser blüht zusammen mit dem Odermennig (Agrimonia eupatoria), einer unkomplizierten Staude, die mit ihren frischgrünen Blättern und den schönen gelben Blütenrispen auffällt. Auch die Samenstände sind sehr attraktiv. Danach folgt die rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), die ihre blauen Blütenglocken den ganzen Sommer über zeigt. Mit dem gelbblühenden Leinkraut (Linaria vulgaris) und zusammen mit Wildem Majoran (Origanum vulgare), schließt sich der Blütenkreis im  Sommer und Spätsommer. Mit dieser Mischung hat Kietsch gute Erfahrungen gemacht. Sie empfiehlt: Schneiden Sie die Stauden einmal im Frühjahr runter und räumen Sie das Schnittgut ab. Die genannten Pflanzen lieben nährstoffarme Böden in voller Sonne, je nährstoffärmer der Boden, desto blütenreicher die Pflanzung.

Wussten Sie schon?

Viele Stauden haben neben ihrem Zierwert und der Nahrungsgrundlage für Insekten auch noch weitere interessante Eigenschaften. So der Brennende Busch (Dictamnus albus), der bei uns heimisch und für sonnige Standorte geeignet ist. Die Pflanzen entwickeln sich erst nach ein paar Jahren zur vollen Schönheit. Ihre attraktiven rosafarbenen oder weißen Blütenkerzen zeigen sich im Juni und Juli. Eine Besonderheit sind die ätherischen Öle, die entzündlich sein sollen und zum deutschen Namen „Brennender Busch“ beitrugen. Auch die heimische Färbekamille (Anthemis tinctoria) überzeugt nicht nur durch ihre schöne gelbe Blüte. Früher wurde die Pflanze zum gelb färben von Wolle eingesetzt. Sie ist ein wahrer Dauerblüher. Die zahllosen goldgelben Blüten  zeigen sich von Juni bis zum Spätherbst. Sie eignet sich sowohl für naturnahe Gartenbereiche, lässt sich aber auch in der gepflegten Staudenrabatte ansiedeln. Die Pflanze versamt sich zwar etwas, wird aber kaum lästig. Von der Färberkamille – gibt es sehr schöne Auslesen. Sie sind wegen der langen Blütezeit und der Trockenheitsverträglichkeit auch für Balkonkästen empfehlenswert.

 

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