Hafer und die winzigen Sternchenblüten des Frauenmantels (Alchemilla) ergänzen die runden Blüten von Sonnenauge (Heliopsis) und Chrysanthemen

Glück auf Stielen

Mit Blüten und Blätter von Stauden komponieren

Die Vögel singen, auf Blüten und Blättern glitzern die Tautropfen und die Morgensonne taucht den noch unberührten Garten in ein warmes rotgoldenes Licht: Wer schon einmal an einem ruhigen Morgen mit Korb und Schere bewaffnet auf Blütenfang gegangen ist, weiß, dass schon das Blumenpflücken und -schneiden an sich ein geradezu meditativer Akt sein kann. Und nebenbei ein guter „Vorwand“, um selbst als stets umtriebiger Gärtner einfach mal im Garten umherzuschlendern und zu genießen. So geht es jedenfalls Doris Pöppel aus Stuhr in Niedersachsen. Die Leiterin der Gärtnerei Pöppel-Stauden  liebt es, bei ihren Rundgängen hier ein paar Blüten zu schneiden und dort ein paar dekorative Grashalme, und jedes Mal neue Kombinationen auszuprobieren. „Kreativ zu sein, ist etwas Erfüllendes. Ich glaube, jeder Mensch hat irgendwo eine künstlerische Ader. Und gerade mit Material aus dem eigenen Garten kann man herrlich experimentieren“, berichtet die Staudengärtnerin.

Ein bunte Türkranz macht im Nu gute Laune. Wer nicht so viele Blüten opfern möchte, stellt sich stattdessen ein kleines Sträußchen zusammen. Die fröhlichen Farben wirken dort ebenso gut. (Bildnachweis: GMH/Andreas Meyer)
Ein bunte Türkranz macht im Nu gute Laune. Wer nicht so viele Blüten opfern möchte, stellt sich stattdessen ein kleines Sträußchen zusammen. Die fröhlichen Farben wirken dort ebenso gut. (Bildnachweis: GMH/Andreas Meyer)

Freude am Experimentieren

Dabei muss es gar nicht immer ein üppiger Blumenstrauß sein. „Fast noch häufiger stelle ich einzelne Blütenstiele in eine schöne Vase. Aber auch mit ein paar schönen Blättern oder Gräsern kann man die Schönheit oder das Besondere von Möbelstücken unterstreichen oder ganze Räume in ihrer Wirkung beeinflussen – das auszuprobieren, finde ich unheimlich spannend“, erklärt Doris Pöppel. Persönlich mag sie es sehr gerne, wenn der Blumenschmuck die Jahreszeiten widerspiegelt. „Die ersten richtigen Frühlingssträuße stelle ich mir mit Schleifenblume (Iberis), Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera) und Gämswurz (Doronicum) zusammen. Großartig sind auch die Sommersträuße, da kann und darf alles rein, Hauptsache, sie sind schön bunt. Oder Gewürzsträußchen mit Blütentrieben von Lavendel, Schnittlauch, Oregano, Melisse und Salbei – sehr sinnlich zu einem leckeren Essen.“ Im Herbst greift sie zu Astern und anderen Herbstblühern, vor allem aber zu Blättern, Gräsern, Zweigen und Fruchtständen wie Hagebutten oder Schlehen. Ab und an einige Blüten oder ein paar Blätter für die Vase schneiden, das ist selbst im kleinen Reihenhausgarten problemlos möglich. Die Staudenexpertin empfiehlt dafür Arten, die auch ohne großen Aufwand üppig, aber formschön wachsen, sich gut kombinieren lassen und lange in der Vase halten – umso geringer sind die Skrupel, sich tatsächlich mal einen kleinen Strauß zu gönnen.

Blatt- und Blütenspender – auch für kleine Gärten

Tolle Blütenlieferanten sind zum Beispiel Sterndolde (Astrantia), Stauden-Phlox (Phlox paniculata), Skabiosen (Scabiosa), Indianernesseln (Monarda), Sonnenbraut (Helenium), Schafgarbe (Achillea), Hohe Fetthennen (Sedum spectabile, S. telephium) und Schleierkraut (Gypsophila). „Wichtig sind aber auch schöne Blätter, um Manschetten formen zu können und um dem Strauß zusätzliche Fülle zu geben. Hierfür eignen sich Frauenmantel (Alchemilla) und Purpurglöckchen (Heuchera), die auch hübsche Blüten haben, Herzblatt-Bergenien (Bergenia cordifolia), Funkien (Hosta) und die Elfenblume (Epimedium), deren Blätter fast das ganze Jahr verfügbar sind.“ Gräser wie das Lampenputzergras (Pennisetum), Rutenhirse (Panicum) und Pfeifengras (Molinia) sehen ebenfalls sowohl im Beet als auch in der Vase fantastisch aus. Und wer es am Ende doch nicht übers Herz bringt, zur Schere zu greifen, der kann sich immer noch in der Gärtnerei mit herrlichen Sträuße versorgen. „Selbst ich lasse mir in unserer Gärtnerei gerne einen frischen Strauß binden“, gesteht Doris Pöppel. „Unsere Floristin versteht ihr Handwerk einfach zu gut.“

 

Profi-Tipps: So halten Blumensträuße lange

„Schnittblumen erntet man am besten in den Morgenstunden oder am Abend, aber nie in der Mittagshitze. Auch nicht bei Regen, denn dann können die Blüten faulen“, erklärt Doris Pöppel von der Gärtnerei Pöppel-Stauden. „Als Faustregel gilt außerdem: Die Blütenknospen sollten mehr als zur Hälfte geöffnet, aber noch nicht voll erblüht sein.“ Arten mit Blütenkerzen schneidet man, wenn etwa ein Drittel der Knospen geöffnet ist, während Schleierkraut und Schafgarbe möglichst voll erblüht sein sollten. Bei Korbblütlern wie Astern und Sonnenbraut sollten sich zwei bis drei Reihen der Röhrenblüten bereits geöffnet haben. „In jedem Fall ist ein sauberer Anschnitt sehr wichtig. Verwenden Sie daher ein scharfes, sauberes Messer, damit die Schnittstelle nicht gequetscht wird. Bevor die Blumen in die Vase kommen, wird noch einmal nachgeschnitten – leicht schräg, damit die Schnittfläche größer ist und die Pflanzen das Wasser besser aufnehmen können“, rät die Expertin. Sie empfiehlt außerdem, die Blütenstiele zu entblättern: Je weniger Pflanzenmaterial im Wasser steht, desto geringer ist die Fäulnisgefahr. Auch die Vase sollte vor der Verwendung gründlich gereinigt worden sein. „Glasvasen sind da besonders praktisch, weil man sie in die Spülmaschine stellen kann“, findet Pöppel. Zu guter Letzt sollten Blumensträuße niemals neben Obst stehen. Insbesondere Äpfel sondern das Reifegas Ethylen ab, durch das die Blüten rascher welken.

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