Leberblümchen (Hepatica)

Frühlingsbote mit Charme

Gegenwehr ist zwecklos, dem Liebreiz des Leberblümchens kann sich niemand entziehen

Glücksmomente kommen oft ganz unverhofft. Bei einem Spaziergang durch den Winterwald zum Beispiel. Trockenes Laub raschelt unter den Füßen, ein Hauch von Schnee bedeckt den gefrorenen Waldboden – und plötzlich steht es da: Unfassbar zart neben den mächtigen Eichen und Buchen spitzt ein Leberblümchen (Hepatica) neugierig aus der Blätterschicht. Ein Krönchen weißbepuderter Staubblätter ziert die perfekt geformten violettblauen Blüten und lässt die kleinen Frühlingsboten charmant und frech zugleich wirken.

Es hat etwas Rührendes, wenn sich die zarten Blüten des Leberblümchens (Hepatica transsilvanica) durch die trockene Laubschicht kämpfen. (Bildnachweis: GMH/ Christiane Bach)
Es hat etwas Rührendes, wenn sich die zarten Blüten des Leberblümchens (Hepatica transsilvanica) durch die trockene Laubschicht kämpfen. (Bildnachweis: GMH/ Christiane Bach)

Begehrtes Statussymbol

„In Deutschland steht das Leberblümchen unter Naturschutz, doch auch in Ostasien ist es eine Besonderheit“, weiß Jürgen Peters von der Stauden- und Spezialitätengärtnerei Peters. „In Japan heißt es ‘Die Blüte, die den Schnee bricht’ und ist als Statussymbol mit einem Koi-Karpfen vergleichbar.“ Bis zu 20.000 Euro zahlen Liebhaber für besonders gelungene Züchtungen.

Arten für Einsteiger

Viele Sorten des Gewöhnlichen und des Siebenbürger Leberblümchens (Hepatica nobilis, H. transsilvanica) sind zum Glück deutlich günstiger zu haben. Doch Peters, der selbst züchtet, kann die Leidenschaft der Sammler durchaus nachvollziehen. „Leberblümchen blühen teils schon im Februar in leuchtendem Blau, strahlendem Weiß oder in sanften Rosatönen – oft noch ehe ihre attraktiven Blätter erscheinen. Und sie besitzen den Reiz des Besonderen, weil es lange dauert, sie heranzuziehen und zu vermehren.“ Fünf bis zehn Jahre sind seine Pflänzchen alt, ehe sie sich in fremden Gärten behaupten dürfen. Und sie werden immer schöner, je länger sie am selben Platz wachsen.

Grazile Schattentänzer

Auf 75 Lebensjahre und Hunderte von Blüten können es Leberblümchen ganz ohne regelmäßiges Teilen bringen, wenn sie sich an einem Standort wohlfühlen. „Was das angeht, sind sie wählerisch, aber bei Weitem nicht so anspruchsvoll, wie oft behauptet wird“, stellt der Experte klar. An einem schattigen Plätzchen mit humosem, lockerem Boden entwickeln sich die aparten Stauden prächtig – solange sie nicht nur ständige Bodenbearbeitung gestört oder von allzu großblättrigem Herbstlaub erstickt werden.

Blütenzauber auf kleinstem Raum

„Auf der Nordseite eines Hauses oder unter Kleingehölzen wie Haselstrauch (Corylus), Zaubernuss (Hamamelis) oder Forsythie (Forsythia) fühlen sich Leberblümchen wohl“, erklärt Peters. Am liebsten setzt er die kleinen Kostbarkeiten zusammen mit anderen Raritäten wie Dreiblättern (Trillium) und Erdorchideen oder mit Zwerg-Farnen in Szene. „So wird selbst ein winziges Beet über Wochen zum Highlight.“ Manche Glücksmomente kommen unverhofft. Andere lassen sich planen.

 

Pflegetipps für Leberblümchen

Ein Hauch von Wald im Garten

Asiatische und nordamerikanische Leberblümchen wünschen sich eine gröbere Bodenstruktur als europäische Arten. „Ein solches Substrat kann man ganz leicht aus Gartenerde und grobem Kompost, Sand oder zerhäckselten Ästen mischen“, verrät Jürgen Peters. Kompost eignet sich auch zum Düngen im Januar/Februar an frostfreien Tagen – falls man nicht dem Geheimtipp des Leberblümchen-Fans folgt: Er verwendet Pellets aus getrocknetem Kuhdung, da diese ein besonders günstiges Nährstoffverhältnis besitzen.

So gut versorgt gedeihen die Waldpflanzen sogar im Topf. Im Sommer sollte das Gefäß allerdings an einem kühlen, schattigen Platz stehen. Gießen ist in der warmen Jahreszeit nur gelegentlich notwendig, da die Frühlingsblüher den Sommer im Ruhezustand überdauern. „Im Winter hingegen muss auch auf Balkon und Terrasse für ausreichend Bodenfeuchte gesorgt werden – ohne dass Staunässe entsteht“, erklärt Peters. Wer seine kleinen Schätze an frostfreien Tagen gießt und die Töpfe gegen den ärgsten Frost mit Sackleinen umwickelt, kann sich von Jahr zu Jahr über mehr Blüten freuen.

 

Zurück